AW: Biotop
Hallo Bärbel!
Ich hatte in meiner Jugend (so lange ist das gar nicht her) Gelegenheit,
über einige Jahre zu beobachten, wie sich ein gänzlich neu gegrabener Lehmteich
bis zum üppig mit Pflanzen und Tieren besiedelten Tümpel entwickelt hat
und das war sicher interessant,
aber im eigenen Bereich nur Leuten mit stoischer Grundeinstellung zu empfehlen:
So manche Phase ist zwar von wissenschaftlichem, aber nicht unbedingt von optischem Reiz
und es kann viele Jahre dauern, bis sich da eine funktionierende, komplexe Lebensgemeinschaft eingestellt hat;
Das Gewässer erreicht sehr viel schneller einen stabilen Zustand,
wenn man ihm durch Bepflanzung und Besiedlung unter die Arme greift.
Ich würde dir empfehlen,
möglichst viele verschiedene Pflanzen aus der näheren und weiteren Umgebung einzusetzen
(was du beim Spazieren so findest und auch Teichbesitzer geben immer gern etwas ab!)
und ruhig auch ein bisschen aus der Gärtnerei mitzubringen
(nur wenig, denn das wird höchstwahrscheinlich ohnehin von Wildpflanzen verdrängt).
Samen von Wasser- und
Sumpfpflanzen keimen sicher gut, sind aber um diese Jahrezeit kaum zu ernten.
Du brauchst aber besonders um diese Jahreszeit von jeder Art ohnehin nur wenige Pflanzerl (2 ... 3),
um die dauerhaft zu etablieren, darfst aber nicht davon ausgehen,
dass damit JEDE eingesetzte Pflanzenart dauerhaft angesiedelt ist:
Manche werden halt wieder aussterben, aber die sollten eben nicht sein!
In den ersten Jahren wird es zu Massenvermehrungen einzelner Arten kommen
(bei mir im 1. Jahr Myriophillum, im 2. Jahr Elodea und im 3. Jahr Potamogeton; jetzt wächst ALLES!),
aber im Endeffekt spielt sich das schon ein.
Abraten möchte ich dir nur vom
Schilfrohr (Phragmites):
Bei DEINER großen Fläche passt das zwar durchaus von der Optik und um die Folie brauchst du ja auch nicht fürchten,
aber das wird mit absoluter Sicherheit deinen nur 50 cm tiefen Teich erstaunlich schnell
... in eine Wiese verwandeln:
Es breitet sich über schwimmende Ausleger sogar im tiefen Wasser aus!
Leider werden seine Samen auch durch Luftpost (
Wasservögel) geliefert,
sodass man gut beraten ist, gegebenfalls zu jäten.
Nachdem nicht nur
Schilf in einem halben Meter Wassertiefe noch wunderbar wächst
(auf den nächsten Weihnachtswunschzettel unbedingt "Mähboot" schreiben!),
ist das neben der mangelnden thermischen Stabilität auch einer der Gründe,
weshalb ich dir DRINGEND dazu raten will, den DEUTLICH tiefer zu machen.
(Mag ja sein, dass das jemand anders sieht, aber da muss man halt mit dem Befüllen schnell sein
und so vom Ufer aus merkt das dann ohnehin niemand - garantiert!)
Nachdem die Verlandung solcher Teiche ein völlig natürlicher Vorgang ist,
bist du sonst in 10 Jahren glückliche Besitzerin ... eines Hochmoores.
2 m tief solltest du MINDESTENS buddeln - besser noch tiefer:
4 m kann nicht falsch sein!
... und die Tere?
Wie soll ich´s jetzt diplomatisch ausdrücken?
Die Besiedelung mit Tieren erfolgt nach den GANZ GENAU selben Mechanismen,

(KEINE Faunenverfälschung durch Katzenwelse oder
Sonnenbarsche!)
aber bevor du auf die Idee kommst, Goldfische einzusetzen,
lies dir die einschlägigen Beiträge "Wie bekomme ich die Goldis wieder raus?" durch.
GAAAANZ wichtig ist auch, die Umgebung und die Freunde zu informieren,
dass du einen in deiner Abwesenheit erfolgten Besatz mit orangen Fischen
NICHT als willkommenes Geschenk ansehen wirst.