AW: Miniteich (250l) "gekippt"
Hi Annett!
Gut, dass hier zu ca. 95% vom Einsatz von Algenkillern oder pH-Mittelchen etc. abgeraten wird,
aber es gibt - ermuntert von Handel und Industrie - erschreckend viele Leute, die glauben,
genau so die "Probleme" in ihrem Teich lösen zu müssen:
Zu meinem großen Erstaunen denken doch tatsächlich viele,
dass so ein Teich UNBEDINGT des Menschen gnädig helfender Hand bedarf, um überhaupt zu "funktionieren"
und sehen nicht, dass die Probleme (<= wozu ich definitiv NICHT die Anlage des Teiches zähle!),
die sie da mit großem Aufwand an Technik, Arbeit, Stromkosten und Chemikalien zu beseitigen trachten,
nur durch sie selbst geschaffen wurden.
Die fröhliche Unbedarftheit, mit der da in natürliche Kreisläufe eingegriffen wird,
erinnert mich an jemanden, der sein Notebook mit der Kelle und dem Maurerhammer "repariert".
Tatsache ist, dass ein Teich grundsätzlich ÜBERHAUPT keine menschlichen Eingriffe braucht,
außer man strapaziert ihn durch Überbesatz, Fehlbestückung, Eingriffe in die Zusammensetzung der Biozönose,
Einbringen von Fremdstoffen, plötzliche Beeinflussung der Wasserparameter, ...
DANN wird´s aber kniffelig und da das Richtige zu tun,
erfordert Wissen, Erfahrung und Verständnis für das Zusammenspiel der Lebewesen.
Die Leidtragenden sind die Bewohner des Teiches:
Abgesehen davon, dass ich Pferde, die in einer Box ihr Leben fristen
und nur manchmal und dann nur kurz und an der Leine raus dürfen, zutiefst bedaure,
ist das schlichte Überleben der Tiere eben noch kein sicheres Zeichen für artgerechte menschenwürdige Haltung
(Wem der Begriff "menschenwürdig" nicht gefällt, kann ja etwas anderes einsetzen.).
Käfighühner und Hochhaus-Batterieschweine führen uns das drastisch vor Augen;
allerdings haben die eine genau festgelegte und beschränkte Lebensspanne vor sich,
während so mancher
Goldfisch oder
Koi solange aushalten muss,
bis er über den Jordan geht und durch den nächsten ersetzt wird.
(Der Beitrag über den bombentrichterförmigen, pflanzenlosen Spritzbetonteich,
an dessen scharfkantigen Wänden sich die Karpfen fortwährend verletzt haben
und in der Folge an
Parasiten und Pilzen gelitten haben, ist mir in deutlicher Erinnerung;
vergleichbares darf selbst bei Batterieschweinen nicht vorkommen!)
Kannst du dich an den Beitrag mit dem in freier Wildbahn geangelten Riesenkoi erinnern, der unlängst hier gepostet wurde?
Welches ungläubiges Erstaunen der bei der Forengemeinde der ausgelöst hat? (Fake! Fotomontage! usw.)
Offenbar haben viele Koibesitzer noch nie ausgewachsene Koi zu Gesicht bekommen!
(... und werden in ihren Behältern auch nie welche sehen, weil ihre jung sterben =>Wikipedia)
Außerdem beweist das nachdrücklich, dass Koi PROBLEMLOS ausgewildert werden können
und auch ich habe in den Altarmen der Wiener Donauauen schon des öfteren welche beobachtet.
(Aufgrund der bis auf die Farbe kaum existierenden Unterschiede zu wildlebenden Karpfen
halte ich das noch für am wenigsten bedenkliches Aussetzen,
insbesondere wenn man bedenkt, dass man sowieso schon selten WIRKLICHE
Wildkarpfen findet,
sondern häufiger zwischenmuskelgräten- und schuppenreduzierte Rassen wie Spiegelkarpfen oder Lederkarpfen.)
Sicher sind Qualzuchten wie Schleierwänze, Himmelsgucker, Eierfische usw. NICHT in freier Natur überlebensfähig,
wie das beim hochgezüchteten Vollblut aussieht, kann ich mangels Fachkompetenz nicht beurteilen,
aber Hausschweine, Kaninchen* oder Ziegen verwildern problemlos
und wenn sie nicht aufgrund ihrer auffälligen Fellfärbung leichter erjagd werden,
auch dauerhaft.
*) Farbkaninchenpopulation in der WIG in Wien X